Vorworte

Programm Februar 2012 - Juni 2012

Liebe Freunde der KäS!

Eure Mütter

Manch einer fragt sich vielleicht, warum er heutzutage überhaupt noch das Haus verlassen soll, um eine Kleinkunstbühne aufzusuchen. Schließlich sind die heimischen Polster bereits perfekt der eigenen Gesäßform angepasst und die allermeisten Fernsehsendungen vorzüglich. Es stimmt schon: Nur wenige Kabarettisten oder Komiker vermögen es, ähnlich starke Emotionen zu erzeugen wie beispielsweise das Finale von "Das Supertalent", bei dem manch einer den unbändigen Drang verspürt, nicht nur den Mitwirkenden, sondern auch der dreiköpfigen Jury seine Wertschätzung durch Zuhilfenahme einer mit Billardkugeln gefüllten Socke zu demonstrieren.

Der klare Vorteil der Live-Darbietung in einem Laden wie der KäS aber ist das soziale Ereignis. Ein Kleinkunstabend ist beispielsweise perfekt für ein erstes Date. Die Dame des Herzens lässt sich massiv beeindrucken, wenn man mit ihr auf den außergewöhnlich bequemen Plätzen dieses schnuckeligen Frankfurter Theaters sitzt und sich nach einem besonders gelungenen Scherz, der eben von der Bühne erklang, zu ihr beugt, um ihr zuzuraunen: "Erschreckend geistreich, dieser Komiker!" Jedenfalls ist so etwas eine ganze Ecke beeindruckender, als die Auserwählte zum Supertalent-Fernsehabend aufs hinreichend befurzte Sofa einzuladen.

Mit anderen Worten, liebe Kleinkunstinteressierte: Begnügt euch nicht mit dem Lesen dieses Programmes, geht den nächsten Schritt, kauft Karten für die Veranstaltung eures Vertrauens und wer weiß, womöglich werdet ihr just an diesem Abend euren nächsten Lebensabschnittspartner aufreißen. Genießt die Einzigartigkeit des Auftritts, den ihr erlebt, denn keine Vorstellung gleicht der anderen, und steckt euch, nur um auf der sicheren Seite zu sein, eine Socke sowie ein paar Billardkugeln ein. Ihr werdet sie vermutlich nicht benötigen, da die KäS bevorzugt sehr gute Künstler einlädt und deren Bestform garantiert, indem sie sie vorbildlich behandelt.

In aufrichtiger Liebe zur KäS, ihren gesamten Mitarbeitern und überhaupt ganz Frankfurt inklusive aller Außenbezirke außer Friedberg:

EURE MÜTTER


Programm September 2011 - Januar 2012

Liebe Freundinnen und Freunde der KäS!

Han's Klaffl

Erlauben Sie, dass ich heute eine Berufsgruppe unter Ihnen besonders anspreche, nämlich die Lehrer, über die kein Geringerer als Erich Käs(!)tner einmal gesagt hat: "Echte geborene Lehrer sind fast so selten wie Helden und Heilige." und daraufhin sein Lehrerstudium abgebrochen hat.

Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, sind da mutiger. Aber wie sieht dieses Heldentum im Alltag aus? Zerrieben zwischen großer Pause und großem Latinum, zwischen Pubertät und Powerpoint, permanent konfrontiert mit der Frage "Laminieren oder lamentieren?", suchen viele von Ihnen Trost und Verständnis bei meinen Programmen in der KäS und es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen Mut zuzusprechen. Kolleginnen und Kollegen, seht doch auch die schönen Seiten unseres Berufs: Unsere Zukunft ist gesichert, solange unsere Lebensarbeitszeit regelmäßig erhöht wird. Das Lehrerzimmer ist immer angenehm temperiert, solange sich die Anzahl der Kollegen, die altersbedingt schon eine gewisse Kälte abstrahlen, und die der Kollegen, die sich in der akuten Burn-out-Phase befinden, die Waage halten. Und auch diese stundenlange gähnende Langweile in Freistunden ist passé, seit die Ministerien aller Länder in seltener Einmütigkeit die Pflichtstundenzahlen unaufhaltsam anheben.

Sicher gibt es auch Negatives: Der tägliche Umgang mit einer aufmüpfigen, renitenten Bande nervt gewaltig, aber zum Glück gibt es ja auch die Schüler. Und nach einigen Stunden erholsamen Unterrichts wagt man sich gestärkt wieder zurück ins Lehrerzimmer.

Und was macht LehrerIn abends? Unvernüftige korrigieren die halbe Nacht, Vernünftige gehen erst mal eine halbe Nacht in DIE KäS und korrigieren anschließend. Das heißt jetzt selbstverständlich nicht, dass nur LehrerInnen hier willkommen sind. Nein, gerade auch Menschen, die bei der Berufswahl leichtsinnig und unvorsichtig waren sollten immer wieder mal die Flucht ins Theater antreten.

Und natürlich nicht nur, wenn es im Programm um die Schule geht. Es wird ja doch noch etwas anderes zum Lachen geben, oder?

Bis dann in der KäS

Han's Klaffl


Programm Februar 2011 - Juni 2011

Django Asül

© 2008 Rainer Rosenow

Frankfurt ohne KäS? Das ist so unmöglich wie KäS ohne Frankfurt. Frankfurt und Umgebung als Herzkammer Hessens hat viele sensationelle Kabarettisten hervorgebracht, dass es eigentlich gar keiner auswärtigen Künstler bräuchte. Heinz Schenk, Bernd Hölzenbein, Joschka Fischer stehen da natürlich an vorderster Front. Und dann natürlich die lange Reihe unfreiwilliger Komiker wie Franz Josef Jung und Michel Friedman, die Selbstüberschätzung per se als Kulturgut ansehen. Aber über allen thront natürlich als Berufener der Komödie Matthias Beltz, der zwar viel zu früh von uns ging, jedoch sehr intensiv bei uns war. An ihm konnte man sehen, dass man den Schalk nicht unbedingt im Nacken haben muss, solange auch im Hirn Platz ist.

Beltz himself behauptete einst, der Hesse sei der Serbe unter den Deutschen. Allein dies ist schon ein deutlicher Hinweis, dass der Hesse nicht nur über andere, sondern vor allem auch über sich selbst lachen kann, bis es weh tut. Und wo der Schmerz ist, ist das Kabarett nicht weit. Denn Kabarett ist die intellektuelle Version der Prügelstrafe. Und ohne die geht es nun mal nicht. Zumal früher sowieso alles besser. Mit Ausnahme von all dem, was schlechter war, was ja nicht gerade wenig ist.

Und deshalb ist es gut, dass es die KäS gibt. Und zwar in der Gegenwart. Dass dieses schöne Theater hinter den Kulissen einen gehörigen Migrationshintergrund hat, sarraziniert das Publikum nicht im Geringsten. Aber tangiert es umso mehr. Warum ich diese verqueren Zeilen geschrieben habe, wollen Sie wissen? Ganz einfach: Der Hausherr wollte es.

In diesem Sinne auf bald in diesem Theater

Django Asül


Programm September 2010 - Januar 2011

Liebe Kabarett-Gemeinde!

Erstes Allgemeine Babenhäuser Pfarrer(!)-Kabarett

Das Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer(!)-Kabarett darf ein Vorwort zum Programmheft der KäS schreiben, boah! Das ist eine Ehre, echt.

Wir lieben dieses Theater, wunderbare Menschen umsorgen uns, andere wundersame Menschen zahlen freiwillig (!) Eintritt für unser Programm, der Raum ist auch wunderlich. Hat was von Wunderlampe, also Orient, irgendwie zum dran Reiben und sich was wünschen...

Und die Käs ist kulturtechnisch einen Schritt weiter als andere Theater: Es gibt Tische in der ersten Reihe. Das ist für uns Auftretende wunder... also positiv. Denn wer einschläft, haut nicht lautstark mit dem Schädel auf den Bühnenrand und stört. Hier können mitgenommene Männer zur Seite kippen und dennoch irgendwie dabei sein. Das sind leider meistens die Einzigen, die uns nach der Show sagen, sie hätten einen schönen Abend gehabt.

Als uns die KäS erstmals einlud, wussten wir: Jetzt ist Frankfurt fällig, heute Frankfurt und morgen Offenbach. KäS klingt in unseren Ohren nach Aufbruch, Erneuerung, Ostend. Sogar die Techniker sind Bundesliga, und das Publikum kommt auf diese Weise zu erstaunlichen Hörergebnissen: Die Leute lachen an Stellen, die wir gar nicht als Pointe vorgesehen hatten.

Der Sommer ist rum, das Herbstprogramm geht aus Fürsorgegründen gegenüber der Region wieder bis in den Winter rein, und das muss man unterstützen. Alle reden von der Krise, wir verdienen dran. In diesem Sinne.

Ihr / Euer Babenhäuser Pfarrerkabarett


Programm Februar 2010 - Juni 2010

Liebe Leser dieses Vorwortes!

Frank Lüdecke

Deutsche Kabarettpreis 2009
Bayerische Kabarettpreis 2010

Lesen alleine reicht ja nicht! Sie müssen auch kaufen! Karten vor allem. Vergessen Sie Fonds, Anleihen und Optionsscheine. Mit einer Karte für die KäS investieren Sie erfolgreich in zwei Stunden unterhaltsame Zukunft. Und das bereits in der Gegenwart! Außerdem: Ihr Eintrittsgeld ist sicher! Bei weiteren Nachfragen wenden Sie sich bitte unbedingt an unsere Informations- Hotline: 069-550736.

Nutzen Sie dieses Angebot!

Was erwartet Sie nun in der KäS? Außergewöhnliche Künstler! Überzeugungstäter! Menschen, die sogar ihr Studium abgebrochen haben, um den Humorstandort Deutschland zu erhalten. Ich kenne viele der hier auftretenden Künstler persönlich. Ich verbürge mich für die hochstehende Qualität ihrer Humorarbeit. Nur zwei sind nicht gut. Viele von Ihnen haben Preise gewonnen. Tolle Preise. Den "Gelsenkirchener Gurkenhobel" zum Beispiel. Oder den "Finsterwalder Tannenbaum". In Silber! Manche Kabarettisten haben über 20 solcher Preise gewonnen. Oder mehr. Trotzdem müssen diese Künstler nicht schlecht sein.

Wenn Sie Tageszeitungen lesen sollten, was kein Nachteil sein muss, sind Sie vielleicht über die kulttheoretische Bemerkung gestolpert, dass das Kabarett längst tot sei. Das stimmt. Nur: Das Kabarett war schon immer tot. In den 70-er Jahren zum Beispiel. Auch in den Dreißigern. Das Kabarett ist eine der ganz wenigen Kunstformen, die schon tot auf die Welt kamen. Aber dafür lief es echt gut. Die letzten 100 Jahre. Und dass, obwohl Kabarettisten Türen einrennen, die längst offen stehen (Affirmationsfalle!). Und obwohl die Wirklichkeit zu komplex ist, sie in ein Chanson zu pressen. Allerdings: Der Gegentrend "Nonsense statt Entlarvung" (ist ja alles entlarvt!) ist nun auch nicht mehr so richtig hip, seit es keine neuen Supermarkt-Witze mehr gibt.

Muss jeder selber wissen. Wir zwingen niemanden. Es ist alles freiwillig. Aber wenn Sie in Frankfurt wohnen, oder in der Umgebung, ich sag mal bis... Karlsruhe oder so, und dann nicht in die KäS gehen, einem der schönsten Kabarett-Theater in Deutschland, dann weiß ich auch nicht...

Bis bald und viele herzliche Grüße

von Frank Lüdecke


Programm September 2009 - Januar 2010

Lieber Leser dieses Editorials!

Werner Koczwara Als Besucher der KäS unterstelle ich Ihnen: Sie sind am deutschen Humor interessiert. Und folgerichtig haben Sie es daher bemerkt: Der deutsche Humor hatte in den vergangenen 35 Jahren zwei schwere Schläge zu verkraften: Nämlich den Tod von Heinz Erhard und die Geburt von Mario Barth.

Ich bekenne offen: Seitdem Humorzwerg Mario Barth die deutschen Fußballstadien füllt, mache ich mir Sorgen. Sorgen um das Niveau des deutschen Fußballs! Kann man den Besuchern eines deutschen Fußballstadions mittlerweile wirklich das allertiefste Niveau anbieten?

Aber mit dem deutschen Humor war es schon immer etwas kompliziert. Denn der komischste Deutsche war bis zu seinem Tod Amerikaner, nämlich Billy Wilder. Und der war Österreicher. Dies zeigt: Der deutsche Humor ist schwierig. Bei der Einteilung in guten und schlechten Humor folgt der deutsche Komiker daher folgender Devise: Wenn viel gelacht wird, ist es guter Humor. Wenn nicht gelacht wird, ist das Publikum doof.

Damit nun zu Dir, liebes KäS-Publikum. Das Publikum in der KäS ist auf seltsame Weise einen gewaltigen Tick gutgelaunter als anderswo. An den leisen Stellen sind die Zuschauer aufmerksam, doch gibt man dem Affen Zucker, dann schreien sie wie ein Esel beim Orgasmus. Das ist schön.

Und dergleichen erlebt man nur im Kabarett. Während das Fernsehen den deutschen Humor mit jedem neuen Format ein Stück weiter Richtung Friedhof trägt, ist er auf den Kabarettbühnen quicklebendig. Ich verfüge hier über sehr einschlägige Erfahrungen. Denn mein Programm "Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt" läuft zu meiner großen Freude jeden Monat hier vor einem regelmäßigen begeisterten Publikum. Kommen Sie doch mal vorbei und freuen Sie sich mit! Und wenn wir schon beim Thema Eigenwerbung sind: Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse ist mein satirischer Sprachführer fertig geworden "Italienisch für Touristen, die ihre Reisegruppe verloren haben". Da haben Sie immer etwas Heiteres zur Hand, falls es Ihnen mal langweilig wird. Zum Beispiel im Fußballstadion.

Bis demnächst!

Werner Koczwara


Programm Februar 2009 - Juni 2009

Liebe KÄS-KÖPP und solche, die es werden wollen,

Thomas Reis mein Name ist Thomas Reis und ich bin stolz ein KÄSIANER zu sein, denn das ist schließlich kein Geburtsrecht.

Ich weiß nicht mehr, wie oft meine Programme in der KäS das Rampenlicht der Welt erblickten; schon so oft habe ich hier meinen Dienst als Gastkünstler angetreten, dass ich mich längst heimisch fühle in der KäS, jenem kompromisslosem Einwanderungstheater für Badener, Friesen, Sachsen und Berlinern; jener multi-ethnischen Begegnungsstätte von kruden Kabarettisten, melancholischen Satirikern, trinkfreudigen Intellektuellen, sinnesfrohen Zynikern und kaspernden Comedians.

KäS, wie viel Zauber, wie viel Poesie liegt in diesem Wort, KäS, von dem wir alle nicht so genau wissen, ob es die KäS, das KäS und der KäS heißt, aber das spielt keine Rolle, denn, liebe Frankfurter, KäS ist längst ein Markenzeichen Eurer lieblichen Stadt geworden. Das könnte dem weniger lokalpatriotischen Frankfurter, so es den gäbe, noch egal sein. Ein Markenzeichen, das ist die Eintracht auch oder die Börse, aber KäS macht einfach mehr Spaß, nicht nur den Zuschauern, auch den Künstlern, die sich dort ein Stelldichein geben. Die KäS gilt unter uns Künstlern, als das vielleicht schönste Kabarett-Theater Deutschlands, die dir keine andere Wahl lässt, als dich in sie zu verlieben, in das Haus und in seine Besetzer.

Noch vor 12 Jahren sah es in Frankfurt düster aus um den satirischen Minnedienst, das Kabarett, jede urdeutsche Humorkultur, die ein tristes Mauerblümchendasein in Eurer Stadt fristete. Aber jetzt, wo ein kenianisch-irischer Chromosomensatz sich anschickt, die USA aus dem tiefen Tal der Ahnungslosigkeit zu führen, warum sollten da nicht türkische Gene die deutsche Aufklärung oder zumindest die Frankfurter Schulbildung beflügeln. Aber wem sage ich das, Sie sind ja hier, wenn nicht im Theater, so doch zumindest im Vorwort dieser umfänglichen und bemerkenswerten Broschüre.

Gut, dass Sie da sind, nicht nur für uns, die Künstler, die von und durch Sie leben, nein, auch schön für Sie selbst, denn besser Sie schlagen die Zeit tot, als umgekehrt. Lassen Sie ihre Synapsen japsen und Ihre Hirnzellen nicht vorzeitig ergrauen, besuchen Sie die KäS am besten täglich.

Viel Spaß für die nächste Spielzeit wünscht Ihnen herzlich, Ihr

Thomas Reis