Wahrlich, ich sage Euch...
Der Alleinunterhalter mokiert sich über die Zeitgeistpropheten von Baghwan über Bohlen bis Beckenbauer, charakterisiert Deutschland als irdisches Himmelreich voller Wohnparadiese, Fitness- und Sonnenstudios. Er gibt sich mal leidenschaftlich, mal erstaunt, mal überwältigt den konkurrierenden Botschaften hin und lässt seinen Neffen Mehmet als Kronzeuge für die allgegenwärtigen Kulturschocks zwischen Glauben und Ethnien durch seine Bonmots geistern. Dem Zitat "Wahrlich ich sage Euch" setzt der Kabarettist ein unausgesprochenes "Wahrscheinlich hat Allah, Jahwe oder Gott es nie gesagt" entgegen. Die Religionen jeglicher Prägung wecken vor allem durch ihre Forderung nach Gehorsam seinen Argwohn. Sinasi Dikmen wechselt von der Predigerpose zum Rappertanz und bringt mit dem Refrain "Allah, Allah, Hallelujah - Jahwe loves you, wunderbar" Abrahams zerstrittene Kinder unter einen Hut.
Die Frage, ob ein Gehorsam wirklich so toll ist, führt Sinasi Dikmen schnell zu allerlei weltlichen und spirituellen Betrachtungen. Was macht man als Moslem zum Beispiel mit 70 Jungfrauen im Himmel? Es ist nicht leicht mit der Frömmigkeit, gern schweift Dikmen deswegen von ihr ab. Es gibt schließlich noch den Alltag; in Streit und Sünde verfällt man in diesem Leben leicht. Doch es gehören immer zwei dazu. Ein Satz, mit dem sich alles relativieren, notfalls umdrehen lässt. Korrupt sein genügt nicht, es muss immer auch jemand da sein, der bezahlt. Eine Menge Beispiele und Zitate kommen Dikmen so in den Sinn, das Private ist das Kirchliche, das Religiöse das Alltägliche.
Sinasi Dikmen und sein Co-Autor Wolfgang Marschall haben in ökumenischer Gründlichkeit ein Programm erarbeitet, in dem sich Boshaftigkeiten und schlaue Fragen, feine Ironie und Witzeleien verbinden.
Dabei ist Dikmen im Grundtenor liebevoll und versöhnlich.
Dieses Programm wurde am 16.09.04 in der KäS uraufgeführt.

