Frankfurter Rundschau

Knoblauchkind im Rampenlicht

Kabarettist und Käs-Mitbegründer Sinasi Dikmen erhält den Kulturpreis der Frankfurter SPD

VON STEPHAN LOICHINGER

Sinasi Dikmen ist ein kleiner, freundlicher Mann um die 60. Sein genaues Alter weiß er nicht, sagt er, sicher sei nur, dass er nicht am 5. Januar 1945 geboren ist. Er widerspricht damit dem, was in seinem Pass steht, aber gut. Dikmen ist in einem kleinen Dorf in der Türkei geboren, zu einer Zeit, als ausgewachsene Bullen verschwanden und es Erdbeben gab, man also vielleicht andere Sorgen hatte, als korrekt Statistik zu führen über die Einwohner. Womöglich hat Dikmen sich die Geschichte nur ausgedacht. Gewiss aber hat er daraus ein Buch gemacht ("Wir werden das Knoblauchkind schon schaukeln").

Ebenfalls gewiss ist, dass Sinasi Dikmen den Skyline-Kulturpreis bekommt. Den Preis verleiht die Frankfurter SPD nun zum zweiten Mal.

Und warum? Weil Sinasi Dikmen, Autor von Satiren, Kabarettist und Mitbegründer des Kabaretts Die Käs, "interkulturelle Arbeit" leiste, die typisch sei für diese Stadt, und "eine Art von Humor, die in Frankfurt zu Hause ist, repräsentiert". Das sagte SPD-Unterbezirksvorsitzender Franz Frey am Freitag zur Begründung der Wahl Dikmens zum Skyline-Preisträger. Er sei ein Beispiel dafür, wie "eine Stadt wie die unsere von der Integration von Menschen, die aus der Fremde zu uns kommen, lebt". Zum Dritten sagte Frey, Dikmen habe zusammen mit Ayse Aktay mit der Käs ein Kabarett geschaffen, in dem alle, die in der deutschen Szene einen Namen hätten, aufgetreten seien. Frey locker: "Es gibt in Frankfurt nur einen Ort, der mit der Käs konkurrieren kann, den Römer. Aber das ist dann eher Realsatire."
Sinasi Dikmen, 1972 aus der Türkei nach Ulm gekommen und dort vor seiner Kabarett-Karriere 15 Jahre lang Krankenpfleger, sagte am Freitag: "Dass die SPD einen Preis für das Lachen vergibt, finde ich gut." Wo doch der SPD derzeit selten zu lachen zu Mute sein könne. Immerhin 24 Stunden Bedenkzeit habe er sich erbeten, nachdem Franz Frey ihn informiert hatte, die SPD wolle ihn nach der HipHop-Musikerin Sabrina Setlur im Jahr 2001 als Zweiten mit dem Skyline-Preis schmücken. "Ich habe im Leben nie etwas genommen, was ich nicht für mich begründen kann", sagte Dikmen.

Er freue sich über die Anerkennung seiner Arbeit und auch über die 5000 Euro, mit denen der Preis dotiert ist, sagte Dikmen. "Von dem Geld kann ich jeden Cent gut gebrauchen." Die Käs ist vor einem Jahr in die Naxos-Halle umgezogen. Die Einrichtung dort hat Sinasi Dikmen privat mitfinanziert. Bestimmt wird die Verleihung des Preises ein grelleres Licht auf Die Käs werfen.

Mithin dürften mehr Gäste dorthin kommen, um sich Dikmens eigene Programme - "Du sollst nicht türken!", "Kleider machen Deutsche", "Wenn der Türke zweimal klingelt" und "Mach kein Theater, Türke!" - anzusehen oder Gastauftritte von Bruno Jonas oder Django Asül. Sinasi Dikmen begann noch während seiner Krankenpflegerzeit, kabarettistische Texte zu schreiben. 1983 und 1984 war er bei Dieter Hildebrandts "Scheibenwischer" eingeladen. Danach tingelte er mit dem "Knobi-Bonbon-Kabarett" über europäische Bühnen und erhielt dafür 1988 den Kleinkunstpreis.

Der Skyline-Preis wird Sinasi Dikmen offiziell am 22. November in der Käs überreicht. Laudator ist Frankfurts früherer Kulturdezernent Hilmar Hoffmann.

Copyright © Frankfurter Rundschau online 2003